Disziplin beim Erlernen der Trompete oder anderen Blechblasinstrumenten
Disziplin ist derzeit in aller Munde. Bernhard Buebs Buch „Lob der Disziplin“ ist zum Bestseller geworden. Hier wird vor allem unser Schulwesen an den Pranger gestellt beziehungsweise neue oder zum Teil auch alte Wege aufgezeigt. Die Frage stellt sich ob die Disziplin zum Erlernen eines Musikinstrumentes bei Jugendlichen noch aufgebracht wird. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Vielleicht ist ein „Jein“ angebracht.
Die Erfahrung auch in Musikvereinen zeigt, dass das Erlebnis im Verein zu sein oft der musikalischen Arbeit voran gestellt wird. Oft hat man auch das Gefühl, dass das im Verein sein auch schon gar kein Erlebnis im Besonderen mehr darstellt. Andere Dinge werden oft voran geschoben.
Das Erste was man einem Bläserneuling mit auf den Weg gibt ist, dass tägliches Üben unbedingt notwendig erscheint. Nach der ersten Anfangseuphorie macht sich jedoch Ernüchterung breit. Das geht ja alles so langsam. Mühselig erklimmt man nur die Leiter der Tonhöhen. Da ist es doch viel einfacher einen Ball zu treten oder ein anderes Musikinstrument zu lernen wo die Töne gleich in einer reinen Stimmung hervorkommen.
Hier muss die erste Hürde genommen werden und die ersten einschneidenden Erlebnisse stehen bevor. Macht man weiter und beißt sich durch, oder gibt man auf. Beim ersten Weg muss Selbstdisziplin erlernt werden. Man sollte in der Lage sein durch tägliches Üben Rückschläge zu verkraften, aber nach einem Abrutschen in diesem Geröllfeld kommt man durch große Anstrengungen auch auf dem Geröllfeld wieder höher und beim nächsten Abrutschen fliegt man nicht mehr ganz so tief wie vorher. Dies Theorie sollte in Fleisch und Blut übergehen, dass man nur durch tägliches Üben auf diesem Geröllfeld des Lernens immer kleine Schritte vorwärts kommt.
Sicherlich kann man nur 2 oder 3 mal in der Woche sein Instrument zu Hand nehmen. Das geht auch. Doch leider ist dann ein gewisses Niveau vorprogrammiert und die Sichtweise für die Möglichkeiten des Instrumentes geht verloren.
Auch die Realität verliert sich. Hört man einen professionellen Trompeter so ist die Bewunderung groß. Gleichzeitig hört man dann: „ja wenn ich jeden Tag üben würde könnte ich auch so gut sein“. Da ist der erste Bezug zur Instrumentalrealität schon verloren. Es kommt nämlich dann nicht nur darauf an jeden Tag zu üben, sondern auch auf die Qualität wie man übt. Übt man nur die Dinge des Musikvereins oder beschäftigt man sich auch mit Schulen und Methoden. Wie ist die Zeiteinteilung usw., Ruhephasen nicht zu vergessen.
Alles in allem ist die Perfektion wie sie ein Maurice Andre verkörpert hat oder die Power eines Arturo Sandoval zu erreichen, um nur einige wenige zu nennen, das Ergebnis von disziplinierter Arbeit von jungen Jahren an.
Vielleicht macht aber gerade dieser Umstand die Trompete ein Leben lang so reizvoll.
Nicht unerwähnt soll sein, dass allzu spielerisches Erlernen wie sie in einigen Schulen praktiziert wird, auch in Frage gestellt werden kann. Das eine Arban Schule für Anfänger nicht unbedingt geeignet scheint ist unbestritten. Doch nur anhand von „Funliedern“ das Spielen zu erlernen sei auch in Frage gestellt. Die technischen Grundlagen sind oft nur durch unangenehme Übungen zu erreichen. Dies sollte auch jedem bewusst sein. Und ein völliges Umgehen der alten Instrumentalschulen ist unmöglich.
Im Gesamten kann man dies natürlich auch auf andere Blasinstrumente übertragen.
Da meine persönliche Erfahrung sich aber auf die Trompete begrenzt, möchte ich auch den Bezug zur Trompete erhalten.
Abschließend noch der Verweis auf ein 15-jähriges "Ausnahmetalent" (nicht nur Talent sicherlich auch Fleiß und Disziplin) Ruben Simeo
Harald Schilling,05.07.2007