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Boehmische Sparflamme oder Boehmisches Feuer? Zurück zur Hauptseite

In vielen Blaskapellen ist die Ausführung der Polka, dem ureigensten Genre der Blasmusik, ein großes Thema. Wiederum ist es in anderen "Blasorchestern" ein Tabuthema. Hier ist es die Musik der "kleinen Leute". Was wir sollen Polka spielen? Diese Frage und die damit verbundene Ignoranz dieses wichtigen Teilbereichs der Blasmusik ist ein Übel der heutigen Zeit. Wir sind doch ein sinfonisches Blasorchester. Das ist die Musik unserer Zeit. Nur dies kann unsere Blasmusik retten!

Ein weit verbreiteter Irrtum. Es würde vielen Blaskapellen gut anstehen sich zu ihrem Ursprung zu bekennen. Und dieser liegt einfach auch in einem natürlicheren Umgang mit der Musik und hier im Speziellen der Blasmusik. Unser Nachbarland Österreich ist hier meines Erachtens uns voraus. Man ignoriert hier die Tradition nicht. Und gerade der natürliche Umgang mit der Musik, insbesondere auch die Pflege der traditionellen Blasmusik, ist hier ein Erfolgsgeheimnis. Viele Trompeter in hiesigen"Sinfonieorchestern" stammen aus österreichischen Blasorchestern. Studiert natürlich bei den bedeutensten Professoren in Ihrer Heimat. Aber vielleicht ist gerade der natürliche Umgang mit Ihrer Blasmusik hier ein Erfolgsgeheimnis? Ich glaube es!

Nun aber zurück zum Thema: Für die Ausführung der Polka Regeln aufzustellen fällt schwer. Zu sehr sind die Herkunft der Polka und die Besetzungsformen etc. unterschiedlich. Sicherlich ist der Weg: "Hoch muss es sein, laut muss es sein oder so schnell wie möglich" - nicht der Beste wenn auch im Festzelt oft gewünscht. Sicherlich ist das leidenschaftliche Spiel bei dem man auch mal über die Grenzen geht - vielleicht auch des guten Geschmacks - auch mal notwendig. Es sollte aber nicht die Regel werden. Ewige Oktavierungen nach oben sind oft ein Weg zur Schmerzgrenze. Warum soll man die gute Mittellage der Tonhöhen nicht auch mal ausgestalten. Der gute alte leider verstorbene Ernst Mosch war ein nie erreichter und zur Zeit auch nicht annähernd durch eine Kapelle erreichter Meister dieses Genres. Doch, einen gibt es meines Erachtens: Michael Klostermann mit seinen Musikanten. Ein Mann der die Zeichen der Zeit erkannt hat und interpretatorisch und klanglich das Maß aller Dinge in diesem Bereich ist. Die neuesten CD`s sind ein Beleg dafür.

Wettbewerbe auf dem Gebiet der traditionellen Blasmusik sind zur Zeit auf dem Vormarsch. Sicher ein gutes Zeichen. Intonation, Interpretation, Stilistik wie Artikulation, Phrasierung etc., spieltechnische Ausführung, Klangqualität und viele weitere Merkmale sind auch hier ein Thema. Nicht nur in der sinfonischen Blasmusik. Übrigens: Ist es oft nicht schöner ein Sinfonieorchester zu hören als ein "Möchtegern" Sinfonisches Blasorchester? Zurück:

Was unterscheidet eigentlich eine mährische Polka von einer böhmischen Polka? Die Polka an sich ist ein Rundtanz im Zweivierteltakt, dessen Tempo mit lebhaft bis rasch angegeben wird, die Bandbreite reich von Tempo 80 bis 160 pro Minute.

Die böhmische Variante der Polka ist eher gemütlich. Das Tempo liegt etwa bei 104 M.M. und ist etwas schneller als die langsamste Polkavariante die "Polka Franze" (ca. 80 M.M.). Es kommt natürlich letztendlich auch sehr auf die Besetzung der Blaskapelle an. Ich vermeide das Wort Blaskapelle nicht trotz dem Trend zum "Blasorchester".

In den böhmischen Kapellen wird doppelchörig gespielt, d.h. die Melodiestimmen wie Flügelhorn und Tenorhorn/Bariton, vielfach auch Tuba, werden doppel besetzt, es kommen drei Klarinetten zum Einsatz. Die Begleitung erfolgt von Schlagzeug, Tuba und Posaunen. Auch Waldhörner kommen zum Einsatz. Die böhmische Spielweise bevorzugt eher einen weicheren Klangcharakter. Die Begleitung ist in der Polka eine Kunst für sich: Die Nachschläge werden nicht gerade ausgeführt, sonder werden ähnlich wie das zweite Achtel im Swing leicht verzögert. Das gibt der Polka ihren typischen, gemütlichschwingenden Sound.

Die mährische Polka dagegen erfordert ein höheres Maß an Virtuosität - schon des höheren Tempos - wegen. Dies liegt bei etwa 132 M.M. Die mährische Besetzung ist kleiner als die böhmische. Alle Stimmen werden nur einfach besetzt und es gibt nur 2 Klarinetten ( je eine Es- und B-Stimme). Die Begleitung ist gerader als in der böhmischen Spielart und wird vornehmlich von Es- oder sogar B-Trompeten gespielt. Der Gesamtklang wird so härter, höher und heller. In der mährischen Spielweise werden in Achtelbewegungen der Melodiestimmen die leichten Taktzeiten stark betont.

Abschließend sei gesagt, dass es für die Stilistik der Polka keine Lehrbücher gibt. Es ist sehr wichtig ein Gespür für diese Musik zu finden. Jede Formation muss dies eigenständig finden und entdecken. Unter dem Link auf meiner Homepage "Blasmusikbuero" findet man jede Menge Formationen die sich dieser Musik verschrieben haben.

Meine Eingangs genannten Worte möchte ich auch am Schluss nochmals betonen. Der natürliche Umgang mit der Musik muss uns antreiben. Was ist natürlicher als sich auch mit der traditionellen Blasmusik zu beschäftigen.

Schauen wir das das Böhmische Feuer erhalten bleibt!

Harald Schilling, 03.06.2007